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Das Ohr lässt sich nicht abstellen. Seine permanente Aufmerksamkeit lässt uns Gefahren früh genug wahrnehmen, andererseits bedarf das Ohr regelmäßiger Ruhephasen. An Lärm können wir uns nie vollständig gewöhnen, auch wenn wir z. B. an einer befahrenen Straße, einer Bahnlinie wohnen oder im Lärm arbeiten.
Lärm ist in unserer Gesellschaft – insbesondere in Ballungszentren – zu einem allgegenwärtigen Begleiter geworden, am Arbeitsplatz, wie in der Freizeit, am Tage und in der Nacht. Dass Lärm stört, belästigt und krank macht und nach Berechnungen von Experten in bis zu 2700 Fällen pro Jahr zum Tod führt, ist unumstritten.
Die Schwierigkeit der Bestimmung lärmbedingter Gesundheitsschäden besteht jedoch darin, dass man - bis auf direkte aurale Schädigungen des Gehörs - keinen unmittelbaren Zusammenhang zwischen einem Schallpegel und den Wirkungen auf die Gesundheit herstellen kann. Die Wirkung von Schallemissionen auf den Organismus ist vielmehr von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Dennoch ist Lärm eine immer noch zu wenig beachtete Umweltverschmutzung.
Die bisherigen Ergebnisse der Lärmforschung lassen sich dahingehend zusammenfassen, dass man zwischen der auralen, d. h. direkt auf das Gehör wirkenden Geräuschbelastung und den extraauralen Wirkungen unterscheiden muss: Eine längere starke Belastung oder einer kurzzeitige sehr starke Belastung führt zu irreparablen Schäden der Hörzellen.
Die Wirkung darunter liegender oder niederschwelliger Lärmimmissionen ist nicht unmittelbar bestimmbar. Ob ein bestimmter Schall zu einer Verschlechterung der Konzentrationsfähigkeit, zu Stress, einer beschleunigten Alterung, einem erhöhten Risiko von Herzinfarkt und Bluthochdruck führt, hängt z. B. auch der subjektiven Wahrnehmung des jeweiligen Geräusches ab.
Die einzige spezifisch nachgewiesene Lärmkrankheit ist die Lärmschwerhörigkeit. Sie ist für die Arbeitsmedizin von großer Bedeutung.
Die schädigende Wirkung von Lärm auf das Gehör besteht in der Schädigung der Sinneshärchen (Zilien) der Haarzellen im Innenohr. Bei fortgesetzter Belastung von mehr als 85db (A) über längere Zeit hinweg tritt eine Innenohrscherhörigkeit auf. Die Hörsinneszellen können sich dann nicht mehr erholen und werden irreparabel geschädigt.
Vor der Lärmschwerhörigkeit unterschieden wird der akustische Unfall, bei dem die Druckwelle eines kurzzeitigen impulsartigen Schallereignisses die Hörzellen im Innenohr abreißt. Beispiele hierfür sind Schüsse oder Explosionen.
Weitere Beschwerden durch Lärmschäden sind:
Neben hörbezogenen Wirkungen ruft Lärm Stressreaktionen hervor. Stresshormone wie Adrenalin, Cortisol oder Noradrenalin werden ausgeschüttet, was zu einer Erhöhung der Herzfrequenz und des Blutdrucks führt. Ferner werden der Blutzuckerspiegel und die Fließgeschwindigkeit des Blutes beeinflusst. Die Auslöseschwelle von Schall für vegetative Wirkungen liegt bei wachen Menschen zwischen 65 und 75 dB (A).
Nach einer Lärmstudie der Berliner Charité aus den Jahren 1998-2001 steigt das Herzinfaktrisiko durch Straßen- und Schienenlärm bei Männern um 50% und bei Frauen um 200%. Ständiger Lärm am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr erhöht nach anderen Untersuchungen das Herzinfaktrisiko bei Männern um 30%.
Lärm beeinträchtigt die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Arbeiten werden öfter erneut begonnen, Fehler schleichen sich ein und die Neigung zu „riskanten“ Entscheidungen nimmt zu.